Situation des Arztes

Wenn das alles wissenschaftlich klar ist, warum sagt mir mein Arzt das nicht?

Verurteilen Sie nicht Ihren Arzt, wahrscheinlich kann er nichts dafür.

Mangelnde Information:
In seinem Studium erfährt der Arzt nur das, was schulmedizinischer Standard ist und das ist erschreckend wenig und wie gezeigt in wichtigen Punkten wissenschaftlich überholt. Später hat er die Möglichkeit sich auf Fortbildungsveranstaltungen weiter zu bilden. Diese Fortbildungsveranstaltungen werden zum aller größten Teil von Pharmafirmen und Geräteherstellern veranstaltet. Zwar sprechen dort sogenannte Kapazitäten (auf die gehen wir gleich noch ein), ansonsten ist das Ganze mehr als Werbeveranstaltung anzusehen.

Die andere Informationsquelle sind Pharmareferenten, die zwar Fachinformationen weitergeben, deren Ziel aber natürlich der Umsatz ist.

Kaum ein Arzt liest (Zeitmangel) gute Fachzeitschriften. Die meisten davon sind auf Englisch, was viele Ärzte nicht oder unzureichend beherrschen. Die üblichen deutschen Zeitschriften sind meist nur Zweitverwerter und Werbeträger. Auch mit der Information aus dem Internet haben viele (gerade Ältere) Schwierigkeiten.

Zur Informationsaufbereitung wären eigentlich die Universitäten da. Hier muss man betrachten, wie man dort als Professor Karriere macht. Man muss Forschungsergebnisse vorweisen. Forschung kostet aber Geld. 75% dieser Forschungsgelder kommen als sogenannte Drittmittel von der Wirtschaft. Das braucht nichts Schlechtes zu sein und führt in vielen Fällen zu mehr Praxisorientierung der Forschung. Insbesondere in der Medizin sind das meist klinische Tests von Medikamenten.

Bei einem negativen Testergebnis hat das zwei Konsequenzen:

$ Das Ergebnis darf nicht veröffentlicht werden (nur Veröffentlichungen nützen etwas für den Professortitel). Das Veröffentlichungsverbot behalten sich die Sponsoren vor.
$ Es wird schwierig noch einmal Drittmittel einzuwerben (was jeder selbst machen muss).

Aber auch Ärzte sind nur Menschen und wenn die Patienten nicht serienweise während des Versuchs sterben, wird er versuchen ein positives Ergebnis zu erreichen, vor allem weil die Firma dann auch noch die ganze Statistik und die Aufarbeitung zu Graphiken übernimmt, damit er auf dem nächsten Kongress darüber einen Vortrag halten kann.

Wenn die Nähe zu einer Firma zu groß wird, wird so jemand dann schon als Professor Novartis etc. in akademischen Kreisen bezeichnet. Diese so aufgebauten Kapazitäten werden später nicht von gewöhnlichen Pharmareferenten betreut, sondern von key-account-managern (schauen Sie bitte im Wörterbuch nach was account auf Deutsch heißt).

Diese Kapazitäten sind es aber auch, die in den Fachgremien darüber entscheiden, welche Therapierichtlinien für einzelne Krankheiten erlassen werden. Das wichtigste Gremium ist dabei der gemeinsame Bundesausschuss der Krankenkassen und Ärzte, der letzten Endes bestimmt, welche Therapie von den Kassen bezahlt wird. Die Kapazitäten an den Hochschulen sollten alle für ihr Fach wichtigen Forschungsergebnisse kennen, die wir Ihnen hier präsentiert haben. Wenn nicht sind sie offenbar unfähig. Wenn sie die Ergebnisse aber kennen und nicht handeln …

Haben Sie Mitleid mit Ihrem Arzt:
Wenn er ihnen eine Therapie vorschlägt, die nicht den Therapierichtlinien entspricht und es tritt keine Heilung ein, steht er mit einem Bein im Gefängnis. Handelt er jedoch nach den Richtlinien, kann der Patient ruhig sterben.

Ärzte, die sich selbst Gedanken machen und womöglich auch noch Literatur lesen sind ganz schnell ihre Kassenzulassung (oft die wirtschaftliche Basis der Praxis) los. Aber auch mit Privatpraxis werden sie vor die Ärztekammer geladen, wo ihnen klar gemacht wird, dass ihnen auch die Zulassung entzogen werden kann. Wir kennen genügend Beispiele dafür.

Auch Ärzte, selbst Onkologen, und deren nahe Angehörige sind aber nicht vor Krebs gefeit. Welche Therapie würden sie in diesem Fall machen? Mehrfach fanden hier Umfragen statt wie z.B. durch das McGill Krebszentrum (Day P. 2000). Von 118 angeschriebenen Onkologen antworteten 79. Von ihnen sagten 64 (81%) sie würden niemals an sich oder einem nahen Verwandten eine Krebstherapie mit Cisplatin (eine übliche Therapie) machen. 58 Ärzte (73%) sagten, sie würden selbst nie eine Chemotherapie machen, falls sie Krebs hätten.

Weiter Umfragen kommen zu ähnlichen Ergebnisse. Es erscheint wirklich schizophren, ein Arzt empfiehlt eine Therapie (oder muss eine Therapie empfehlen), die er selbst nicht machen lassen würde.

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